Jetzt abstimmen für den sexistischsten Artikel des Jahres

 

Sexismus zeigt sich überall: Auf der Arbeit, beim Einkauf im Supermarkt, in der Werbung, beim Sport. Gerade weil Sexismus so alltäglich ist, fällt er vielen gar nicht auf. Doch er ist tief in unsere Kultur verankert – und betrifft uns alle. Einen grossen Beitrag zu diesem Problem leisten die Medien, denen wir in den letzten Monaten genauer auf die Finger geschaut haben. Das Ergebnis ist ernüchternd: Sexistische Berichterstattung steht in Schweizer Medien an der Tagesordnung. Wir haben nun die schlimmsten Artikel des Jahres ausgewählt.

Objektivierung der Frau

Die wohl häufigste Form von Sexismus in den Medien ist die Objektivierung von Frauen. Dies geschieht, indem nur über ihren Körper oder Teile ihres Körpers geschrieben wird, ohne dass frau als Individuum dargestellt wird. Gerade die Berichterstattung zur Olympiade war ein Paradebeispiel dieser Art von Sexismus: Medien berichteten landesweit oft und gerne über die Äusserlichkeiten von Athletinnen. An vorderster Front war die Pendlerzeitung 20 Minuten mit dabei. Allgemein beachten wir bei diesem Medium eine besorgniserregende Zunahme von sexistischen Artikeln.

http://medienpranger.ch/sexy-sportlerinnen/ 

Veraltete Rollenbilder

Männer trinken Bier und schauen Fussball; Frauen waschen Sohnemanns Wäsche und sind zuständig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Eine weitere Facette von Sexismus in den Medien ist, wenn antiquierte Gender-Normen unhinterfragt reproduziert werden. Als die Sport-Moderatorin Steffi Buchli dieses Jahr Mutter wurde, musste sie sich vom Blick Fragen gefallen lassen, die an Dreistigkeit kaum zu überbieten sind. Sind Sie die Schwangerschaftskilos schon weg? Warum gehen Sie schon so früh wieder arbeiten? Warum sind Sie so spät Mutter geworden? Solche Fragen mit unterschwelligen Vorwürfen zementieren das Bild, dass frau gefälligst zuhause bei Kind und Küche bleiben sollte.

http://medienpranger.ch/steffi-buchli/

Unterschiedliche Bewertung einer identischen Leistung

Wenn über Leistung von Frauen geschrieben wird, werden häufig ohne nachvollziehbare Gründe andere Massstäbe als bei Männern verwendet. Diesen Frühling hat eine Gruppe junger Menschen massgeblich dazu beigetragen, dass die Durchsetzungsinitiative vor dem Volk gescheitert ist. Aber: Every revolution needs a postergirl. Bei dieser wars Flavia Kleiner. Was besonders bitter war: Kleiner wurde von den Medien zuerst hochgejubelt und danach dafür bestraft, im Vordergrund zu stehen. Es gipfelte in einem Bericht der Schweiz am Sonntag, die Kleiner als «die Überbewertete» bezeichnete – und sie unter anderem mit der Reduktion auf ihre Kleiderwahl kleinmachte.

http://medienpranger.ch/pink-stinks/

Das Voting ist eröffnet

Der Medienpranger funktioniert demokratisch! Leserinnen und Leser können vom 1. bis zum 10. Dezember 2016 für den widerlichsten Sexismus abstimmen. Als wir diesen Blog lancierten, versprachen wir dem Medium mit dem sexistischsten Artikel einen goldenen Tampon. Die Übergabe findet am 16. Dezember statt.

   
20 Minuten über Sportlerinnen
94 Vote
Blick über Mütter und veraltete Rollenbilder
312 Vote
Die Schweiz am Sonntag gegen Flavia Kleiner
124 Vote
 

Der eigentliche Skandal…

sexskandal

(Screenshot bzbasel.ch)

Publiziert am… 13. Oktober auf bzbasel.ch

Ist sexistisch, weil… aus einem sexuellen Übergriff auf eine stark alkoholisierte Frau, die nicht mehr in der Lage war, den Handlungen zuzustimmen, lapidar ein „Sex-Skandal“ wird.

Könnte man besser machen, indem… Dinge beim Namen nennt. Eine einfache Formel, die im Zweifelsfalle hilfreich sein kann: Sex ohne Zustimmung aller Beteiligten = Übergriff/Vergewaltigung.

 

Teaserbild Fail III

poleposition

(Screenshot tageswoche.ch)

Publiziert am… 10. August auf 20minuten.ch

Ist sexistisch, weil… einmal mehr eine leichtbekleidete Frau dazu benutzt wird, Klicks für ein Thema zu generieren, welches überhaupt nichts mit nackter Haut zu tun hat.

Könnte man besser machen, indem… man eine Collage bastelt, die ohne Sexismus auskommt.

 

Jugendwahn bei der Schweiz am Sonntag

Bildschirmfoto 2016-08-05 um 14.26.53

(Screenshot schweizamsonntag.ch)

Publiziert am… 30. Juli auf schweizamsonntag.ch

Ist sexistisch, weil… Patrizia Laeri im Artikel jegliche Kompetenz abgesprochen wird. Weil sie jung und gutaussehend ist. Das passiert systematisch bei Frauen.

Könnte man besser machen, indem… man damit aufhört, Frauen ständig miteinander zu vergleichen. Schon gar nicht in Aussehen und Alter. Und indem man eine Moderatorin nicht zum Hobby-Model degradiert.

 

Hey, sister!


Bildschirmfoto 2016-07-09 um 12.59.56

(Screenshot von 20min.ch)

Publiziert am… 6. Juni auf 20min.ch.

Ist sexistisch, weil… wir es hier mit einer Ausweitung der Spielerfrauen-Thematik zu tun haben. Frauen sind nur interessant, weil sie mit einem erfolgreichen Mann verwandt sind und gut aussehen. Durch eine Umfrage werden die Frauen miteinander verglichen und bewertet.

Könnte man besser machen, indem… man statt über Spielerschwestern einfach mal über Frauenfussball berichtet.