Team Fitzgerald

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(Screenshot insideparadeplatz.ch)

Publiziert am… 29. November 2016 auf insideparadeplatz.ch

Ist sexistisch, weil… uff, wo fangen wir an? Warum nennt der Autor Frau Fitzgerald einfach «Miss Julie»? Warum beginnt der Text mit der Tatsache, dass sie vier Kinder hat? Was will uns der Autor mit der Formulierung «härter als jeder Mann» sagen? Warum konzentriert er sich auf ihre vermeintliche Schwäche, indem er das Fast-Burnout ganz am Anfang des Textes erwähnt? Wegen Sexismus in seiner reinsten Form.

Könnte man besser machen, indem… man Julie Fitzgerald nicht auf ihr Geschlecht reduziert, sondern sich auf ihr Können fokussiert.

 

 

Jetzt abstimmen für den sexistischsten Artikel des Jahres

 

Sexismus zeigt sich überall: Auf der Arbeit, beim Einkauf im Supermarkt, in der Werbung, beim Sport. Gerade weil Sexismus so alltäglich ist, fällt er vielen gar nicht auf. Doch er ist tief in unsere Kultur verankert – und betrifft uns alle. Einen grossen Beitrag zu diesem Problem leisten die Medien, denen wir in den letzten Monaten genauer auf die Finger geschaut haben. Das Ergebnis ist ernüchternd: Sexistische Berichterstattung steht in Schweizer Medien an der Tagesordnung. Wir haben nun die schlimmsten Artikel des Jahres ausgewählt.

Objektivierung der Frau

Die wohl häufigste Form von Sexismus in den Medien ist die Objektivierung von Frauen. Dies geschieht, indem nur über ihren Körper oder Teile ihres Körpers geschrieben wird, ohne dass frau als Individuum dargestellt wird. Gerade die Berichterstattung zur Olympiade war ein Paradebeispiel dieser Art von Sexismus: Medien berichteten landesweit oft und gerne über die Äusserlichkeiten von Athletinnen. An vorderster Front war die Pendlerzeitung 20 Minuten mit dabei. Allgemein beachten wir bei diesem Medium eine besorgniserregende Zunahme von sexistischen Artikeln.

http://medienpranger.ch/sexy-sportlerinnen/ 

Veraltete Rollenbilder

Männer trinken Bier und schauen Fussball; Frauen waschen Sohnemanns Wäsche und sind zuständig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Eine weitere Facette von Sexismus in den Medien ist, wenn antiquierte Gender-Normen unhinterfragt reproduziert werden. Als die Sport-Moderatorin Steffi Buchli dieses Jahr Mutter wurde, musste sie sich vom Blick Fragen gefallen lassen, die an Dreistigkeit kaum zu überbieten sind. Sind Sie die Schwangerschaftskilos schon weg? Warum gehen Sie schon so früh wieder arbeiten? Warum sind Sie so spät Mutter geworden? Solche Fragen mit unterschwelligen Vorwürfen zementieren das Bild, dass frau gefälligst zuhause bei Kind und Küche bleiben sollte.

http://medienpranger.ch/steffi-buchli/

Unterschiedliche Bewertung einer identischen Leistung

Wenn über Leistung von Frauen geschrieben wird, werden häufig ohne nachvollziehbare Gründe andere Massstäbe als bei Männern verwendet. Diesen Frühling hat eine Gruppe junger Menschen massgeblich dazu beigetragen, dass die Durchsetzungsinitiative vor dem Volk gescheitert ist. Aber: Every revolution needs a postergirl. Bei dieser wars Flavia Kleiner. Was besonders bitter war: Kleiner wurde von den Medien zuerst hochgejubelt und danach dafür bestraft, im Vordergrund zu stehen. Es gipfelte in einem Bericht der Schweiz am Sonntag, die Kleiner als «die Überbewertete» bezeichnete – und sie unter anderem mit der Reduktion auf ihre Kleiderwahl kleinmachte.

http://medienpranger.ch/pink-stinks/

Das Voting ist eröffnet

Der Medienpranger funktioniert demokratisch! Leserinnen und Leser können vom 1. bis zum 10. Dezember 2016 für den widerlichsten Sexismus abstimmen. Als wir diesen Blog lancierten, versprachen wir dem Medium mit dem sexistischsten Artikel einen goldenen Tampon. Die Übergabe findet am 16. Dezember statt.

   
20 Minuten über Sportlerinnen
93 Vote
Blick über Mütter und veraltete Rollenbilder
312 Vote
Die Schweiz am Sonntag gegen Flavia Kleiner
124 Vote
 

Etwas Sexismus zum Nationalfeiertag

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(Screenshot blickamabend.ch)

Publiziert am… 28. November 2016 auf blickamabend.ch

Ist sexistisch, weil… die Frauen auf ihr Äusseres reduziert werden und nur dazu da sind, „euch den Tag zu verüssen“. Dass einem zum Unabhängigkeitstag von Albanien tatsächlich nichts besseres einfällt, als die gefühlt millionste Top-Ten-Liste über „heisse Frauen“ zu veröffentlichen, ist nicht nur sexistisch, sondern auch unglaublich einfallslos.

Könnte man besser machen, indem… man zum Beispiel zehn albanische Politikerinnen vorgestellt hätte – mit dem Fokus auf ihre Leistungen, nicht auf ihr Aussehen.

 

Vergewaltigerwitze sind niemals okay

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(Screenshot rckstr.ch)

Publiziert am… 25. November 2016 auf rckstr.ch

Ist sexistisch, weil… Christopher S. aufgrund seines gepflegten Aussehens als feminin beschrieben wird und der Autor klar intendiert ihn damit zu beleidigen. Mal abgesehen davon ist es eine Ungeheuerlichkeit, pünktlich zum Start von «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» Witze über Vergewaltigungen zu reissen.

Könnte man besser machen, indem… man einen Journalismus betreibt, der nicht auf Bashing basiert.

 

Schau ihnen in die Augen, Kleiner!

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(Screenshot 20 Minuten)

Publiziert am… 23. November 2016 auf 20min.ch

Ist sexistisch, weil… das sexualisierte Teaserbild die angesprochenen möglichen Verwaltungsrätinnen auf ihre halbnackten Beine, also auf ihr Aussehen, reduziert.

Könnte man besser machen, indem… man nicht weiterhin auf Kosten der Frau Klicks holt. We’re getting real tired of this shit, 20 Minuten.

 

Lipstick Jungle

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(Screenshot Berner Zeitung)

Publiziert am… 22. November 2016 auf bernerzeitung.ch

Ist sexistisch, weil… die Politikerinnen bewertet werden, als würden sie an einer Schönheitswahl teilnehmen.

Könnte man besser machen, indem… man das Plakat kritisiert, ohne die ewiggleichen Geschlechterbilder zu zementieren. Ob eine Politikerin schminktechnisch sattelfest ist oder nicht, tut nun wirklich nichts zur Sache.

 

Adrozentrismus bei 20 Minuten

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(Screenshot 20min.ch)

Publiziert am… 16. November 2016 auf 20min.ch

Ist sexistisch, weil… eine Sportlerin als «weibliche Version» eines männlichen Sportlers bezeichnet wird. Der Mann, der Eishockey spielt, gilt als Norm, die Frau aber als ungewöhnliche Aussnahme.

Könnte man besser machen, indem… man Fatima al-Ali als eingenständige Person und ihre sportliche Leistung losgelöst von ihrem männlichen Kollegen beschreibt. Dass auch Frauen Eishockey spielen sollte heutzutage selbstverständlich sein.

 

Coolness für Jungs, Herzli für Meitli

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(Handybild Tagesanzeiger)

Publiziert am… 16. November 2016 im Tagesanzeiger.

Ist sexistisch, weil… in der Printausgabe typischerweise ein Foto verwendet wird, auf dem der Junge das Emoticon mit der dunklen Sonnenbrille in der Hand hat und das Mädchen das Herzliaugen-Emoticon. Das ist eine stereotype Charakterzuschreibung. Jungs sind cool, Mädchen herzig. Jungs sind stolz und selbsbewusst, Mädchen verliebt und verzückt.

Könnte man besser machen, indem… man genau hier mal die Stereotypen durchbricht und diese Emoticons anders verteilt. Denn auch Jungs können verliebt sein und auch Mädchen cool und selbstbewusst.

 

 

Niveau-Limbo mit Energy

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(Handybild Facebook)

Publiziert am… 27. Oktober auf der facebook-Seite von Radio Energy.

Ist sexistisch, weil… der flache Spruch auf Kosten der Frauen geht. Er impliziert, dass Frauen im Allgemeinen mühsam sind und man besser daran tut, sie einfach zu ignorieren und dem Frieden zuliebe zuzustimmen. Können Frauen und Männer denn nicht normal miteinander diskutieren? Wir finden schon!

Könnte man besser machen, indem… Energy lernt, wie man einen guten Witz macht. Learn to take a joke? Learn to make one.

 

Liebes, attraktives Mami ist auch noch Politikerin!

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(Screenshot bazonline.ch)

Publiziert am… 26. Oktober auf bazonline.ch

Ist sexistisch, weil… sich ein Grossteil des Beitrags um Patricia von Falkensteins Beziehung, ihre Rolle als Mutter und ihre Kleidung dreht. Und wegen Sätzen wie dem hier: «Gekleidet ist die 55-Jährige in eine zarte Bluse und einen Schal in rosa Pudertönen, dazu trägt sie eine schwarze Hose und Ballerinas. (…) Sie ist attraktiv, das ist ihr bewusst.»

Könnte man besser machen, indem… man sich auf ihre Kompetenzen als Politikerin fokussiert und sie nicht auf ihr Geschlecht oder heteronormative Rollenbilder reduziert.

 

None of your business!

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(Screenshot blickamabend.ch)

Publiziert am… 11. Juni auf blickamabend.ch

Ist sexistisch, weil… das Erscheinungsbild von Frauen kritisiert und daran gemessen wird, ob es vermeintlich bei Männern* auf Anklang stösst.

Könnte man besser machen, indem… man auf derartige Lästereien verzichtet und Frauen* zugesteht, sich so zu zeigen, wie es ihnen selbst wohl ist.

 

Der eigentliche Skandal…

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(Screenshot bzbasel.ch)

Publiziert am… 13. Oktober auf bzbasel.ch

Ist sexistisch, weil… aus einem sexuellen Übergriff auf eine stark alkoholisierte Frau, die nicht mehr in der Lage war, den Handlungen zuzustimmen, lapidar ein „Sex-Skandal“ wird.

Könnte man besser machen, indem… Dinge beim Namen nennt. Eine einfache Formel, die im Zweifelsfalle hilfreich sein kann: Sex ohne Zustimmung aller Beteiligten = Übergriff/Vergewaltigung.

 

Tennisgate

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(Screenshot 20minuten.ch)

Publiziert am… 24. Oktober auf 20minuten.ch

Ist sexistisch, weil… die Tennis-Spielerinnen mit dieser sexistischen Beobachtung objektiviert werden.

Könnte man besser machen, indem… man Athletinnen an denselben Kriterien misst wie Athleten: ihrem sportlichen Können.

 

Hillary Clinton for Style Queen?

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(Screenshot Friday Magazine)

Publiziert am… 19. Oktober auf www.friday-magazine.ch

Ist sexistisch, weil… Hillary Clinton nicht als neue Stil-Ikone Kandidiert, sondern als Präsidentin. Der Vergleich mit Angela Merkel unterstütz die Denkweise, dass (mächtige) Frauen generell miteinander in Konkurrenz stehen.

Könnte man besser machen, indem… man ein bisschen mehr auf Inhalt als auf Oberfläche setzt.

 

Congratulations, you printed an #allmalepanel

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(Handybild Tages-Anzeiger)

Publiziert am… 21. Oktober im Tages-Anzeiger

Ist sexistisch, weil… nur die Männer des Podiums abgebildet wurden.

Könnte man besser machen, indem… man die Frauen der Konferenz ebenfalls mit Bild abdruckt. Ihre Quote ist eh schon miserabel. Und #allmalepanels sind ein gravierendes Problem. Die Unterrepräsentation von Frauen an solchen Anlässen suggeriert fälschlicherweise deren Inkompetenz.